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Der Mythos Hopfen – 4 Unwahrheiten über Hopfen, die sich hartnäckig halten

Schön, dass inzwischen so viel über Hopfen geschrieben und diskutiert wird. Schade, dass dabei so viele (falsche) Mythen weitergegeben werden – in vielen Foren, Blogs, Facebook und auch in persönlichen Gesprächen. Widmen wir uns dem Frühjahrsputz und räumen mit einigen dieser Mythen auf:

 

Mythos 1:
Hopfen mit einem besonders fruchtigen Aroma wird in Kalifornien auf ehemaligen Zitrusplantagen oder auf ehemaligen Weinbergen angebaut.

Das hört sich zuerst ganz plausibel an, ist aber dennoch falsch. Das unterschiedliche Aroma verschiedener Sorten kommt durch die Züchtung in den Hopfen und nicht durch Zitrus- (oder auch andere) Bäume, die davor auf diesem Boden angebaut wurden. Das Aroma im Hopfen kommt von den Hopfenölen, die die Pflanze ganz von selbst bildet und in denen in dem über 400 Komponenten enthalten sein können.

Auch ein Hallertau Blanc oder Nelson Sauvin, die ein weinartiges-stachelbeeriges Aroma aufweisen, haben ihr Aroma nicht von den Weinbergen, die dort angeblich in der Nähe sind. Oder habt ihr schon mal Weinberge in der Hallertau gesehen?

 

Mythos 2:
Aromaintensive Hopfensorten sind Neuzüchtungen und „so etwas“ hat es davor nicht gegeben.

Auch falsch. Aromaintensive Sorten hat es schon immer gegeben, nur waren sie nicht immer erwünscht und daher sind viele dieser Sorten entweder gar nicht auf den Markt gekommen oder schnell wieder verschwunden. Der Fokus der Züchtung hat sich im Laufe der Jahre immer wieder verändert. Bis vor wenigen Jahren lag der Fokus, neben Ertrag, Krankheitsresistenz etc. bei hohen und stabilen Alphasäuregehalten. Das Aroma vom Hopfen war da eigentlich nur „Beiwerk“, aber eben trotzdem vorhanden. Sehr gute Beispiele dafür sind die Sorten Cascade, Hallertau Mittelfrüh, Comet und Topaz. Comet (1961) und Topaz (aus den 80er Jahren) wurden als Hochalphasorten gezüchtet. Comet verschwand sehr rasch und erlebt erst jetzt seine Renaissance als „Aromabombe“ und Topaz wurde auch erst vor ein paar Jahren als aromaintensive Sorte entdeckt. Cascade (1972) und Hallertau Mittelfrüh (alte Landsorte) waren fast nicht mehr vorhanden, als sie von Liebhabern aromaintensiver Sorten wiederentdeckt wurden. Cascade beispielsweise ist zurzeit die beliebteste Sorte bei Craft Brauern und Hallertau Mittelfrüh ist die Hopfensorte für eines der bekanntesten Craft Biere in den USA.

 

Mythos 3:
Nur Flavour Hopfen eignen sich zum Hopfenstopfen. Mit Hochalphasorten kann man nicht Hopfenstopfen.

Wieder falsch! Im Prinzip eignet sich jede Sorte zum Hopfenstopfen. Ganz egal, ob Hochalphasorte oder feine Aromasorten, jede Sorte hat ihr unverwechselbares Aromaprofil und trägt dadurch auch zum Aroma des Bieres bei. Es kommt immer darauf an, wie man diese Sorte einsetzt. Sprich: Nicht jede Hopfensorte passt zu jedem Biertyp und viel Hopfen ergibt auch nicht immer das Bier mit den besten Aromen. Es ist ja gerade unheimlich spannend, das Beste aus jeder Hopfensorte herauszukitzeln und dann zu entdecken, dass einige Hopfensorten hervorragend gerade die klassischen Bierstile ergänzen können

 

Mythos 4:
Man kann Hopfensorten ganz einfach untereinander austauschen.

Immer noch falsch! Im Hopfenöl kommen über 400 Aromasubstanzen in unterschiedlichen Konzentrationen und Zusammensetzung vor und diese Substanzen weisen zusätzlich synergistische Effekte auf. Von daher ist es sehr schwierig, Hopfensorten untereinander auszutauschen, gerade wenn man den Hopfen als Aromageber und nicht nur als Bitterzusatz sieht.
Wird dann nur an 3-4 Hopfenölsubstanzen (es gibt ja über 400!) versucht Ähnlichkeiten zwischen den Hopfensorten festzustellen, dann wird man dem komplexen Thema überhaupt nicht gerecht und wird auch beim Brauen mit dem Endergebnis, nämlich der Ähnlichkeit zu einer anderen Sorte, nicht glücklich werden.
Auch das Thema Sortenmischungen ist nicht so einfach wie es aussieht. Zwei Hopfensorten mit den Geschmacksattributen „zitrus-beerig“ und „vegetal-würzig“ schaffen sicherlich kein Attribut wie „süße Früchte“. Oder einfach gesagt: Wenn man eine Zitrone mit Fenchel vermischt, kommt auch keine Aprikose heraus…

 

Kein Mythos und damit auch kein falscher Rat, ist übrigens die Behauptung, dass man durch gezielte Hopfengaben einzigartige, hervorragende Biere brauen kann 😉

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