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Aromaschulung – aus der Sicht von Außen

Das faszinierende an Hopfen ist, dass er für jeden etwas Anderes bedeutet. Je nachdem, ob die Person schon mal was über Hopfen gehört hat, in der betreffenden Region aufgewachsen ist usw. Außerdem kann man über Hopfen herrlich diskutieren. Was für Aromen man im Hopfen finden kann, ob weißweinartig schon unangenehm ist, Johannisbeere jetzt schon Katzenurin, oder doch angenehm beerig riecht? Man kann sagen, was man will, aber wenn man kein Teetrinker ist, wird man Kamillentee eher weniger erkennen und wer kein Geißblatt bei sich im Garten angebaut hat, der wird auch dieses Aroma nicht im Hopfen wiederfinden. Und doch scheint einfach jeder in dieser Industrie die ganze Welt in einem Hopfen zu riechen – und das ist doch etwas, das bewundernswert ist – zumindest für mich, obwohl ich nicht einmal aus dieser Industrie komme – ich arbeite da nur im Marketing und auch das erst seit 9 Monaten. Also kann ich mich mit Fug und Recht als „grün hinter den Ohren“ bezeichnen.

Die Welt des Hopfens habe ich davor nicht betreten gehabt, außer man zählt ein Sommerpicknick auf der „Kent Life hop farm“, als ich 10 Jahre alt war. Und nun? Wär hätte gedacht, dass es mehr als ein paar Handvoll unterschiedlicher Sorten gibt? Ein paar Dinge hab ich zwar in der Theorie schon von meinen Kollegen gelernt, ich hab auch schon ein paar Artikel geschrieben, mich mit vielen Braueren unterhalten, lehrreiche Videos geschaut etc.  Nun saß ich im Hop Flavourist Course, mitten in der Hallertau,  bei meinen deutschen Kollegen, um zu schauen: taug ich denn zum Hopfen Bonitieren?

Der ganze Kurs dauerte 2 Tage und jeder von uns war schon sehr gespannt, was uns denn in diesen zweit Tagen alles erwarten würde – Sogar Stephan Barth, denn der ließ es sich nicht nehmen bei diesem Kurs dabei zu sein.

Spannung bei den Einzelaromen

Und was hab ich nun wirklich dabei gelernt?

Dass jeder verkosten kann, denn wenn man einen Geruch nicht identifizieren kann, heißt das nicht, dass man ihn nicht auch lernen und ihn sich merken kann. Man muss sich zuerst einmal selbst eine Sensorik-Datenbank anlegen. Man muss die Gerüche lernen und abspeichern und am besten mit irgendwelchen Erinnerungen verknüpfen, damit man sie auch ja nicht mehr vergisst. Denn dadurch verknüpft man den Geruch kognitiv mit einer Erinnerung. Für mich zum Beispiel Petersilie: Ich musste sofort an meine Meerschweinchen denken, denn diese füttere ich oft mit Petersilie. Bei Holunderblüte musste ich an meine Oma denken, bei Zimt an Weihnachten usw. Genu diese Erinnerungen haben mir geholfen die Gerüche auf einem persönlichen Level zu identifizieren.

Indem lichtundurchlässige Gläschen verwendet wurden, konnten wir vorab schon mal testen, ob wir denn die Gerüche identifizieren konnten. Denn einige Gerüche sind ja doch offensichtlich zuzuordnen, nicht wahr? Ha, total daneben. Habt ihr schon jemals erlebt, dass ein Stück Limette gleich wie Zitrone riecht, wenn man nicht weiß welches welches ist? Oder dass eine Mango wie Apfel, oder eine Banane wie Birne riechen kann? Und genau da hat dieser Kurs angesetzt. Am ersten Tag haben wir uns durch unzählige Aromen gerochen, Assoziationen aufgeschrieben und weiter geschnüffelt. Gewürze, Kräuter, wie riecht denn nun Wald, unterschiedliche Früchte usw. Und eines kann ich euch mitgeben: Bleibt doch mal stehen und riecht an Blumen! Man kann sich gar nicht vorstellen, wie viele unterschiedliche Gerüche da hervorkommen!

Finde die richtige Hopfensorte

Wenn man geglaubt hat, das ist herausfordernd, dann hat man noch nicht Tag 2 des Hop Flavourist Kurses mitgemacht, denn jetzt kam der Hopfen dran. Finde die gelernten Aromen im Hopfen wieder. Wer nun geglaubt hat, dass ich sofort alles wieder erkannt habe, dem sei gesagt: Ätsch, doch nicht. Mein Hauptproblem: Ich habe mich davor noch nie mit Aromen befasst gehabt, daher hatte ich auch noch keine Datenbank. Aber: ich war wie bessessen mehr zu lernen und das habe ich auch gemacht. Zughört, Notizen gemacht, gelernt, geschnüffelt und noch mehr Notizen gemacht. Durch die Schulungen vom Vortag habe ich wenigstens Ingwer erkannt. Als aber die Diskussionen über den Unterschied von Geranien zu Lilie losgingen, da war ich verloren. Am Ende des Tages konnte ich aber sagen, dass ich einiges dazugelernt habe:

Aromawahrnehmung ist subjektiv, was man bei einer Hopfensorte eindeutig feststellen konnte: Die eine Hälfte des Kurses fand schwarze Johannisbeere und die andere Hälfte fand zuerst Pfeffer und erst im Nachgang schwarze Johannisbeere wieder.

Aroma ist eine persönliche Angelegenheit und vielleicht ist mein Aromapotential noch nicht ganz ausgeschöpft, aber dazu war ich ja in dem Kurs, um dazu zu lernen. Es gibt bei Aromen kein richtig und kein falsch, hier geht es nur um Wahrnehmung. Und genau hier sieht man, was Hopfenaroma im Bier bedeutet: für jeden kommt etwas Anderes zum Vorschein. Denn wenn es um Hopfen geht, dann geht’s nicht ums Geschäft, dann geht es um Leidenschaft.

 

Emily Swann arbeitet in der Marketing Abteilung von Simply Hops und hat diesen Artikel schon für den Simply Hops Newsletter verfasst: http://simplyhops.co.uk/news/the-flavourist

Auch wenn sie im Artikel sehr bescheiden über ihre Aromafertigkeiten schreibt, soll hier gesagt werden, dass sie alle Tests mit 100 % bestanden hat – und das als einzige 🙂

Wollt ihr Emily’s Erfahrungen teilen? Dann meldet euch für den ersten Hop Flavourist Kurs an: http://www.barthhaasgroup.com/en/hops-academy#coursedates

 

 

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1 Antwort to “Aromaschulung – aus der Sicht von Außen”

  1. Sean Franklin sagt:

    Nice article. An individual’s smell library is not really a barrier to becoming a great taster in the first instance. The first call is to perceive. Identification is not needed on a like/dislike basis. Identification is a bonus.
    When confronted with a new aroma tasters can try first first slot the taste into a broad category such as fruity, floral, burnt..etc., to which mostly every one can relate. From that broad category the detailed description can come to mind. One of the marvellous features of beer tasting that always surprises me is when a new aroma crops up and defies classification. Always taste with an open mind, any aroma is possible in your next beer!

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