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England und sein Hopfen

Die Regionen des Hopfenanbaus in England

Man geht davon aus, dass der Hopfenanbau in England Anfang bis Mitte des 16. Jahrhunderts begann und von flämischen Siedlern ins Land gebracht wurde, die Hopfen als wichtige Zutat für Bier ansahen. Die Flamen ließen sich hauptsächlich in Süd-England nieder, inbesondere in Kent. Hier fingen Sie an, Hopfenanbau für die eigene Bierproduktion zu betreiben.
Hopfen wurde in England bereits Ende des 15. Jahrhunderts für die Bierherstellung benötigt. Es gab jedoch nicht genügend Hopfen auf der Britischen Insel. Im Laufe des 16. Jahrhunderts wurde Hopfen auch immer öfter für die Ale-Herstellung verwendet, als man verstand, dass der Hopfen nicht nur die Haltbarkeit des Bieres verbesserte, sondern auch den Geschmack. Durch die ansteigende Nachfrage wurde der Hopfenanbau attraktiv und viele Hopfenanbaubetriebe entstanden. Damit entstand auch der Hopfenhandel in England, der sich um die Vermarktung des einheimischen, aber auch des importierten Hopfens kümmerte.
Natürlich wurde London zum Zentrum dieses Hopfenhandels – war es doch auch die Stadt mit der größten Bierproduktion. Und Kent lag praktisch nur einen Steinwurf entfernt. Bereits 1750 exportierte England Hopfen nach Deutschland und in die Niederlande.  Zu den bekannten Hopfenhandelszentren wie Nürnberg und Saaz kam so auch London hinzu.
Das Anbaugebiet in Kent wurde schnell das größte in England. Kent teilt sich auf in East-Kent (Canterbury und Favesham), Mid-Kent (Maidstone und Tonbridge) und Weald (in Richtung Sussex). Die Gegend um Surrey und Hamshire bildeten auch ein Hopfenanbaugebiet. In den nord-westlichen Regionen rund um Hereford und Worcestershire konzentrierte sich der Anbau in den Flusstälern der Lugg und der Teme. Heute ist der Hopfenanbau in England auf die Gegenden Kent und Hereforshire beschränkt.

Samen als Besonderheit im englischen Hopfen

In allen anderen Hopfenanbaugebieten wird sehr viel Aufwand betrieben, um sicherzustellen, dass die weiblichen Dolden nicht besamt werden. In Gegensatz dazu findet man in England fast ausschließlich besamten Hopfen. Allerdings besaß und besitzt besamter Hopfen unter Braueren einen schlechten Ruf. Auf dem Kontinent kritisierte man, dass befruchteter Hopfen nicht mehr so schön aussah. Die Besamung machte den englischen Hopfen jedoch etwas resistenter gegenüber bestimmte Krankheiten und das war ein wichtiges Kriterium für die englischen Pflanzer. Aufgrund der klimatischen Gegebenheiten war auch der Ertrag sehr schwankend. Man hat herausgefunden, dass in England der Ertrag bei besamten Hopfen höher ist, als wenn der Hopfen nicht besamt wurde.

Die englischen Sorten und ihre Namensgebung

Die Benennung der Hopfensorten in England ist etwas undurchsichtig. Im 18. Jahrhundert wurde allenfalls anhand der Farbe der Hopfenrebe unterschieden (weiß, rot, grün). Mit der Zeit sprach man von Hopfen aus den verschiedenen Anbaugebieten wie Farham und Canterbury. Erst später wurden den Hopfensorten Namen gegeben wie Golding, Flemish, Dadshot, Avenall etc.
Die bekannteste Hopfensorte war und ist  “Golding”, ein Abkömmling des Canterbury Hopfens, den Mr. Golding in der Region Malling Ende des  18. Jahrhunderts in seinem Garten fand.  Sie zeigte hohen Ertrag und gute Qualität. Daher wurde in Kent und Sussex Mitte des 19. Jahrhunderts fast ausschließlich Golding, Ganterbury, Grapes, Jones und Collegates angebaut.  Zwischen 1860 und 1870 wurden die frühreifenden Sorten Bramlings und White’s Early Golding – auch Abkömmlinge des Goldings  – eingeführt. Fuggles eine frühreifende Sorte wurde um 1880 bis 1890 in Kent und in Herford erstmals angepflanzt und ist auch heute in den USA und in England noch im Anbau.

Im Jahre 1907 arbeitete Prof. Salmon an den ersten Hopfenkreuzungen im Wye College. Ziel war es, eine Sorten zu züchten, die höhere Gehalte an Weichharze zusammen mit vorteilhaften Wachstumseigenschaften aufweisen würde. Sein erster Erfolg war die Sorte Brewers Gold gefolgt von Northern Brewer, Bullion etc.
Heute liegt die Anbaufläche in England bei 929 ha mit leicht fallender Tendenz. Die wichtigsten Sorten sind Golding, First Gold, East Kent Golding und Fuggles und Target.

Englisches Aroma – very British

Man muss gar nicht nach Persien reisen, um das Aroma einer frisch gepressten Limette zu riechen, oder sogar nach Indonesien um das wundervolle Aroma einer echten Vanille zu schmecken. Am besten, man bleibt einfach in England und sucht sich das nächstgelegene Hopfenfeld. Denn englischer Hopfen weist eine unglaubliche Aromenvielfalt auf. Schon 1907 machte Prof. Salmon, ein Mykologie Spezialist (man stelle sich das mal vor, ein Pilzkundler hat Hopfenzüchtung betrieben!), seine erste Hopfenkreuzung mit dem Ziel: hoher Weichharzantel und gute agronomische Eigenschaften. Sein erster Erfolg war Brewers Gold, der aber erst 1934 freigegeben wurde. Brewers Gold steht für einen moderaten Alpha-Gehalt, lebhaftes Wachstum verbunden mit hohen Erträgen und zeigt würzig-holzige verbunden mit fruchtigen Noten.

Auch am Wye College wurde schon gezüchtet und hier brachte man, ebenfalls 1934, die Sorte Northern Brewer (gezüchtet aus Canterbury Golding mit einem männlichen Stamm „OB21“) heraus. Diese Sorte, die für ihre harzigen und minzigen Noten bekannt ist, wurde erst 1944 freigegeben. Überhaupt wurden diese Sorten viel zu lange unterschätzt und ignoriert und so wurden sie erst nach dem zweiten Weltkrieg wiederentdeckt, nach Belgien gebracht und zogen so ihren Siegeszug in die Welt fort. Vor allem Northern Brewer hat keinen geringen Anteil an der Bekanntheit von deutschen Hopfensorten.

Man kann also mit gutem Gewissen sagen, dass alle heute angebauten Hochalphasorten auf Prof. Salmons Züchtungen zurück gehen. Hier schließt das Wye College an Prof. Salmons Züchtungen an. Seit den 1950er Jahen wurden dort viele verschiedene Züchtungen freigegeben. Zum Beispiel Bramling Cross: Diese Hopfensorte wurde schon 1927 gezüchtet (aus einer traditionellen Golding-Sorte mit einem männlichen Sämling des Wildhopfens Manitoban), aber erst 1951 freigegeben. Bramling Cross zeigt würzige und fruchtige Noten.

1965 wurde die Sorte Progress (eine Tochter von Whitbread Golding) freigegeben. Progress weist Aromen von Rost, grünem Koriander, Weißkraut und Bierhefe auf. Dadurch kommt ein sehr komplexes Aroma zustande. In gewissem Maße ist Progress auch Fuggles sehr ähnlich, etwas Süßer und die Bittere in den Bieren ist etwas Milder.

1971 wurde North Down freigegeben, eine Sorte mit würzigen-harzigen Noten. Und gleich drauf, ein Jahr später, kamen die sehr bekannten Sorten Wye Challenger und Target auf den Markt. Wye Challenger wurde schon 1963 am Wye College aus einer Kreuzung entwickelt. Wye Challenger zeichnet sich durch eine gute Resistenz gegen falschen Mehltau aus. Süße Früchte in Kombination mit zitronigen, würzigen und holzigen Noten zeichen diesen Hopfen aus.

Wye Target ist wohl die bekannteste und am meisten angebaute Sorte in Großbritannien, da diese Sorte einen hohe Bittere und eine gute Lagerstabilität aufweist. Seine Aromen kommen alle aus der holzigen Richtung, wie: Cognac, Tabak und Barrique und wir kombiniert mit den süßen Noten der Tonkabohne und Vanille.

1988 wurde die Hopfenforschung vom Wye College auf das HRI (Horticultural Research International) übertragen und schon 1996 zeigte die Arbeit vom HRI Früchte und es wurden gleich 3 Hopfensorten – Admiral, First Gold, Pioneer – herausgebracht. Admiral stammt aus einer Kreuzung zwischen Wye Challenger und Northdown und wurde mit dem Ziel die Sortenvielfalt zu vergrößern gezüchtet. Admiral ist eine Woche, gegenüber den restlichen englischen Sorten, früher reif und weist eine hervorragende Lagerstabilität auf. Admiral zeigt grün-grasige, Tee- und Zitrusnuancen. First Gold stammt von Whitbread Golding ab und gibt fruchtige und leicht würzige Noten ins Bier. Aus dem Rohhopfen kommen Holz- und Gemüse-, sowie Frucht- und Zitrusnoten. Zu guter Letzt gibt’s dann noch Pioneer mit seinen zitronigen, zedernartigen und würzigen Noten.

2004 gab es wieder eine Änderung in der englischen Hopfenzüchtungsgeschichte: Das HRI wurde an das Malling-Institut transferiert. Dort wurden dann 2006 2 neue Hopfensorten auf den Markt gebracht – Pilot und Pilgrim. Währenddessen die Sorte Pilot ein typisches englisches Hopfenaroma aufweist, zeigt Pilgrim ein breites Spektrum an Aromen. Kräuter, süße Früchte und Sahne-Karamell werden perfekt von vegetalen und zitronigen Noten ergänzt.

2007 gab es dann auch das HRI am Malling Institut nicht mehr und ab diesem Zeitpunkt, bis heute wird am Wye Institut (ein Ableger von der British Hop Association) auf der China Farm, Canterbury, Kent gezüchtet. Wye Hops hat bis jetzt 2 Hopfensorten freigegeben: Boadicea und Sovereign.

Boadicea ist eine Zwerghopfensorte mit moderatem Alphagehalt und angenehmem Geschmack. Außergewöhnlich an Boadicea ist seine einzigartige Resistenz gegen Blattläuse. Daher eignet er sich gut für Bio-Brauvorhaben, bei welchen nur eine begrenzte Hopfenauswahl zur Verfügung steht. Boadicea verdankt seinen Namen der keltischen Kriegskönigin Boadicea, die vor Jahrhunderten der Römer-Invasion widerstanden hat. Sein Geschmacksprofil ist geprägt von Zitrusfrüchten mit einer leicht blumigen Note sowie einem Aroma nach Limetten.

Sovereign wurde schon 1995 am Wye College gezüchtet. Die Zuchtsorte ist ein Enkel von Pioneer. Aufgrund ihres sehr guten Aromas wird sie oftmals mit Fuggles verglichen und zeichnet sich durck karamellige, Tee- und grüne Noten aus.

Die bis jetzt letzte  Kreation von Wye Hops ist Endeavour. Endeavour ist eine neue Zwergsorte, die aus einer Kreuzung im Jahr 2002 entstanden ist. Sie trägt mit einzigartig, typisch englischen Geschmacksnoten wie Zitrus, würzigen und roten Früchten zum Bieraroma bei.

Wie man sehen kann, gib es so viele verschiedene Aromen – auch in England!

 

Sortenblätter zu allen aktuellen englischen Sorten, mit Beschreibungen der Inhaltsstoffe und Aromen, findet ihr auf unserer Website unter dem Stichwort Großbritannien.

 

Weiterführende Literatur:
Der große Hopfenatlas – Geschichte und Geographie einer Kulturpflanze, Hrsg.: Joh. Barth & Sohn, Nürnberg

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